Neues von Jeff Lemire 20.09.2017 10:28

Neues von Jeff Lemire

„Black Hammer“, der neustes Wurf des Erzählwunderkinds Jeff Lemire (Descender, Sweet Tooth, Essex County, Der Unterwasser-Schweißer), sorgt zurzeit in den USA für Furore.

Kritiker und Fans sind hellauf begeistert, bei den diesjährigen Eisner Awards wurde der Creator-Owned-Comic bereits als „beste neue Serie“ ausgezeichnet.

Inhalt: Eine Gruppe Superhelden, zu der u. a. eine Hexe, eine im Körper eines kleinen Mädchens gefangene Frau, ein wahnsinnig gewordener Weltraumabenteurer, ein Roboter und ein schwuler Alien-Gestaltwandler gehören, sind nach einer großen Schlacht in einem Paralleluniversum gestrandet. Hier verstecken sie sich auf einer Farm außerhalb einer Kleinstadt und haben große Probleme, nicht aufzufallen und mit ihrem unglücklichen Schicksal zurechtzukommen.

Viele Kritiker vergleichen diese von Lemire geschriebene und von Comickünstler Dean Ormston gezeichnete Superhelden-Hommage mit Alan Moores Monolithen „Watchmen“.

Kein Wunder, beide Werke beschwören eine unschuldige Epoche, vergangene Zeiten, in denen der Superheldenberuf noch mit Ethos und Anerkennung verbunden war, und kontrastieren diesen Glanz des Vergangenen mit Erzählelementen aus dem postmodernen Baukasten.

Ist Moores Impetus hauptsächlich de-konstruktivistisch, dominiert bei Lemire hingegen die melancholische Erinnerung an das goldene und silberne Zeitalter der Superheldencomics – eine schönere Verbeugung vor der Hochzeit des Genres hat man gewiss noch nicht gesehen, so wird es „Black Hammer“ auch von prominenten Kollegen wie Scott Snyder (American Vampire, Wytches) und Mark Millar (Kick-Ass) attestiert.

Die Entstehungsgeschichte der Serie ist nicht minder fantastisch:

Zeichner Dean Ormston erlitt nach der Fertigstellung des ersten Heftes einen Schlaganfall, die Lähmung betraf auch seine Zeichenhand, erst nach umfangreichen Reha Maßnahmen konnte Ormston seine Arbeit fortsetzen. Um mit den Worten von Comic.de-Autor Christian Endres zu sprechen: „In jederlei Hinsicht eine echte Superhelden-Story…“

Im Mai 2018 kann man sich von den Qualitäten der auf insgesamt 20 Hefte angelegten Serie auch in Deutschland überzeugen. Dann erscheint beim Splitter Verlag der erste, sechs Hefte umfassende Sammelband – wie gewohnt im edlen Hardcover-Format und mit Bonusmaterial angereichert. Die weiteren Bände folgen im dreimonatlichen Rhythmus.

Im Oktober 2018 startet mit „Sherlock Frankenstein & die Legion des Teufels“ außerdem ein Spin-off zur Hauptserie.

Eine weitere neue traurige Story, die Lemire in Bilder gekleidet hat, ist „The Secret Path“, ein Gemeinschaftsprojekt mit dem kanadischen Rockmusiker Gord Downie.

Dieser spielte und sang ein ganzes Album ein, das sich mit der tragischen Geschichte von Chanie Wenjack beschäftigt, einem Indianerjungen, der in den 60ern seiner Familie entrissen wurde, um in einem der vielen als Residential Schools bezeichneten Internaten in Kanada von seiner indianischen Kultur und Verwandtschaft ferngehalten und rücksichtslos umerzogen zu werden.

Chanie floh, und da er nicht wusste, dass er 400 Meilen von seinem Zuhause entfernt war, lief er einfach los und erfror unterwegs auf den Gleisen, denen er folgte.

Lemire bebilderte die Songs von Downie, die das Schicksal des Jungen und dieses düstere Kapitel in der Geschichte Kanadas behandeln, in wortlosen Comic-Kurzgeschichten.

Der bedrückende Sammelband kommt im Format einer Schallplatte und mit einem Download-Code für das Musik-Album daher.

Black Hammer # 01 von Jeff Lemire, Dean Ormston, HC, 144 farbige Seiten, Preis 19,80 EUR

Quelle: comic.de/youtube/tor-online.de