Mary Shelley 03.05.2021 10:28

Mary Shelley

Frankenstein? Den kennt doch jeder. Ja aber in diesem Album geht es um die Autorin des berühmten Romans.

England, Ende des 18. Jahrhunderts: Das Leben von Mary Wollstonecraft Shelley beginnt unter düsteren Vorzeichen, als ihre Mutter kurz nach Marys Geburt stirbt. Die Tochter eines Sozialphilosophen und einer Frauenrechtlerin galt als ungewöhnlich kühnes und aufgewecktes Mädchen. Aufgewachsen in einem intellektuell fordernden Umfeld, schrieb Mary schon sehr früh eigene Gedichte und Geschichten.

Mit 16 Jahren lernte sie den Schriftsteller Percy B. Shelley kennen, mit dem sie eine enge Liebesbeziehung einging, obwohl dieser bereits verheiratet war. Eines verregneten und stürmischen Abends, während man sich die Zeit mit dem Erzählen von Schauergeschichten vertrieb, kam ihr dann die Idee zu der Gothic Novel, die sie weltberühmt werden lassen sollte: „Frankenstein oder Der moderne Prometheus.“ – Soweit der Verlagstext.

Doch diese schaurig-atmosphärische Graphic Novel erzählt die bewegte Lebensgeschichte von Mary Wollstonecraft Shelley, der Autorin hinter Frankenstein einer der bekanntesten Figuren unserer Kulturgeschichte, leider nicht.

Von einer Biografie erwartet man die ganze Geschichte – vom Leben bis zum Tod. Denn Shelley schrieb noch einige Romane und Novellen und war auch für die Entwicklung des Feminismus nicht unwichtig. Nichts von alledem erfährt man in diesem Band, da der Autor Alessandro Di Virgilio seine Geschichte mit der Schöpfung Frankensteins beendet. Da war Shelley aber gerade mal 19 Jahr alt. Sie lebte aber noch 34 Jahre weiter. So gesehen wäre Mary Shelley und Frankenstein oder etwas ähnliches besser gewählt gewesen, denn unter diesem Aspekt kann man das Album nämlich wirklich lesen.

Das liegt vor allem an den Bildern der Italienischen Illustratorin Manuela Santoni. Sie erinnern entfernt an den Strich von Moritz Stetter. Santoni ist allerdings plakativer als er. Pures, flächendeckendes Schwarz-weiß, vor allem Schwarz ohne jegliche Grauabstufung, das nur gelegentlich von einen Spritzer Rot aufgelockert wird, und zwar meist dann, wenn es um Blut oder Wut geht, bestimmen Santonis Bilder. Das kommt angenehm düster daher und kommuniziert zudem die Atmosphäre der damaligen Zeit. Man wird dieses Album vor allem wegen der Zeichnungen lesen. Die sind wirklich klasse.

Mary Shelley von Manuela Santoni, Alessandro Di Virgilio,

HC, 136 Seiten Preis 20,00 EUR

Quelle: © Knesbeck/ppm/comickunst/stripspeciaalzaak.be