Lars – Der Agenturdepp 22.05.2020 10:36

Lars – Der Agenturdepp

Zusammen mit Andre Lux, dem Zeichner der EGON FOREVER! - Strichmännchen - Cartoons, bringt CROSS CULT dessen erste abgeschlossene Comicgeschichte heraus. Erzählt wird ein Tag aus dem Leben des Agenturmitarbeiters Lars. Lustig, traurig und irgendwie auch zutreffend verfolgen wir Lars’ Irrungen und Wirrungen im Agenturalltag, begleiten ihn auf Jour Fixes, Get-togethers und Offsites.

Es ist somit das perfekte Geschenk für alle Agenturdeppen und die, die es (vielleicht) noch werden wollen. Fans von EGON FOREVER! müssen natürlich sowieso sofort und ohne Zögern zugreifen! – Soweit der Verlagstext.

In seinen Cartoons erzählt Andre Lux von Alltagsbanalitäten, aktuellem politischem Gemenge und den neuesten Entwicklungen in Wissenschaft und Technik, kurz: es geht um alles.

Lux folgte der Idee, Statements mit den Mitteln zu erzeugen, die gerade da sind. In seinem Fall also kariertes Papier, ein Stift und Tipp-Ex.

Da Lux aber von seiner Figur nie leben konnte, ist er verschiedenen Konzepten der Lohn-und-Brot-Idee nachgegangen. Dazu gehörte unter anderem eine einjährige Anstellung als Trainee bei einer Münchener Medienagentur.

Dort hat er aber so gründlich sein Fett wegbekommen, dass er dem Agenturleben danach nicht nur abschwor und sich endgültig einer sinnhaften Anstellung zuwendete.

Die Erfahrungen dieses einen Jahres reichten auch für seinen ersten eigenständigen Comic aus, Lars – der Agenturdepp.

Eigentlich kommt diese Graphic Novel recht harmlos daher: Den Zeichenstil kennen wir maximal minimalistische Strichmännchen und -weiblein in ebenso kargen Settings, den symmetrischen und dadurch monotonen Panelaufbau und die Ausbesserungen mit Korrekturflüssigkeit.

Faszinierend, wie einer mit so wenig Mitteln so kraftvoll erzählen kann. Es ist nicht nur der Inhalt, die Zeichnungen sind ebenso dafür zuständig, sich sofort mit Lars identifizieren zu können.

Denn mal ehrlich: Wer von uns hat in seinem/ihrem Leben noch keinen sinnentleerten Job gemacht? Der Kohle wegen oder weil man sich sonst was davon erhofft hat. Um dann festzustellen, dass man von Menschen umgeben ist, die ihre Mittelmäßigkeit abfeiern und bei denen einen das Gefühl beschleicht, durch die bloße Anwesenheit anzuecken.

Viele von den immer auf einer Seite abgeschlossenen Gags in Lars sind zwar agenturspezifisch, das meiste lässt sich aber ganz leicht auf alle möglichen x-beliebigen Arbeitsstellen übertragen.

Was aber anfänglich wirkt wie eine Aneinanderreihung von peinlichen Büroanekdoten aus einem miesen Arbeitsfeld, entwickelt sich im Verlauf des Comics zu einer zusammenhängenden Geschichte.

Lux geht es auch darum, zu erzählen, wie er da rausgekommen ist und dass auch andere das können, wenn er das geschafft hat. Und plötzlich haben diese kleinen, zugegebenermaßen, sehr lustigen Gags echten Tiefgang und eine politische Aussage mit Ernsthaftigkeit und damit seine Wirkung voll entfaltet.

Lars – Der Agenturdepp von Andre Lux,

HC, 36 Seiten s/w, Preis 12,99 EUR

Quelle: © cross cult/comicreport