IdentiKid 10.06.2020 10:28

IdentiKid

Ich habe echt panische Angst davor, Angst zu bekommen, und das macht mir total die Panik. Das schlimmste Perpetuum der Welt. Das ist, wie wenn dir jemand eine Pistole an die Schläfe hält und sagt: „Wenn du Angst kriegst, schieße ich.“ Klingt finster? Ist es auch. Exakt so beschreibt Moa in diesem Album ihren Zustand. Und der wird lange nicht besser.

Die 25-jährige Moa lebt in einer schäbigen Wohnung und pendelt zwischen Therapiesitzungen, Panikattacken und Elektro-Partys. Immer auf der Suche nach Erlösung und dem lebensverändernden Kick. Auf durchgefeierte Nächte folgen ereignislose Tage und dann platzt da auf einmal dieses Tinder-Match in ihr Leben: „Famous TV Guy, 53“. Moa und der bekannte Medien-Typ treffen sich nur einmal persönlich, aber ihre fortgesetzte Kommunikation per Handy trägt dazu bei, dass Moa nach und nach aus ihrer Krise herausfindet … Soweit der Verlagstext.

Moa Romanova entwirft ihr autobiografisches Debüt in einem einzigartigen visuellen Stil und trifft mit ihrer Erzählung das Lebensgefühl der Millennials.

Einzigartigen visuellen Stil – ja, kann man sagen. Allerdings gewöhnungsbedürftig. Das kommt beim zweiten Lesen besser. Vielleicht liegt es auch daran, dass die schwedische Zeichnerin, von der Liv Strömquist so beeindruckt ist, sich selbst als ziemlich unförmiges Wesen darstellt. Sie wirkt oft wie konturlose Masse. Und das ist sie ja auch. Während ihrer depressiven Phasen zerfließt sie immer wieder in grenzenlose Müdigkeit. Der Kontakt mit ihrer Freundin Sarah hilft, aber nie lange. Nach einer Party: Ich fühl mich wie ein Scheiß-Alien. Als würden alle eine Fantasiesprache sprechen und ich steh da und muss raten, was sie eigentlich sagen. Und die Sache mit ihrem Tinder-Freund hat auch seine Tücken.

Es gibt (Situations)komik in diesem Album. Zum Beispiel in den Gesprächen mit ihrer Therapeutin. Hauptsächlich quält Moa sich aber über die Seiten – bzw. durch die Zeit und ihr Leben. Eine deprimierend realistische, aber auch sehr erfolgreiche Erzählung, die bereits in sieben Sprachen übersetzt wurde.

IdentiKid von Moa Romanova,

184 Seiten, Preis 25,00 EUR

Quelle: © avant/comickunst