Freaks 18.11.2020 10:32

Freaks

Als Wendy sich von einem freakigen Stadtstreicher überzeugen lässt, ihre Psychopharmaka abzusetzen, macht sie eine unglaubliche Entdeckung: Die Medikamente haben die letzten Jahre weit mehr im Zaum gehalten als ihre unbeherrschten Gefühle.

Zunächst kann Wendy kaum fassen, wie ihr geschieht, doch bald findet sie Gefallen an den neugewonnenen Superkräften. Dank ihnen kann sie nun einen ganzen Berg bisher unüberwindbarer Alltagsprobleme mit Links aus dem Weg schaffen.

Ihre neuen «Talente» erweisen sich aber mehr und mehr als Fluch …- Soweit der Verlagstext.

Als Marc O. Seng mit seinem Team 2009 mit den Dreharbeiten zu dem Netflix-Film Freaks anfing, war allen Beteiligten klar, dass diese Story auch als Comic gut kommen würde. Schließlich waren Comics die Geburtsstätte der Superhelden – also warum nicht auch eine Graphic Novel aus dem Material machen?

Als ihnen schließlich Schmolkes Nachts im Paradies in die Hände fiel, war ihnen klar, wer dieses Album zeichnen sollte. Und Schmolke sagte zu.

Von Vorteil war, dass Schmolke sich nicht sklavisch an den Film halten musste. Das Drehbuch diente zwar auch ihm als Vorlage, doch er nutzte die Freiheiten, die die Autoren ihm ließen, und setzte die Geschichte eine Spur härter und düsterer um. Dabei ging es ihm weniger um Superhelden. Mehr um Menschen, die die ihnen plötzlich zuwachsenden Kräfte nicht wirklich unter Kontrolle bekommen.

Weder physisch, noch mental.

Wie in seinen bisherigen Alben Nachts im Paradies und Trabanten hält sich auch Freaks nicht mit Kleinigkeiten auf, sondern geht aufs Ganze. Das ergibt am Ende eine fetzige Story, die – ebenfalls wie in den Vorgängeralben – nicht in allen Punkten logisch ist, aber eine Menge Tempo auf die Seiten bringt, die durch die harte Grafik zusätzlich an Dynamik gewinnt.

Für Spannung ist reichlich gesorgt – und seine Schwarzweiß-Zeichnungen sind eh eine Nummer für sich.

Eine fetzige Story über Wut, Kontrolle und deren Verlust

Freaks von Frank Schmolke, Marc O. Seng,

SC, 256 Seiten s/w, Preis 28,00 EUR

Quelle: © Edition Moderne/ppm/youtube