Die Geschichte der Goscinnys 11.05.2020 10:30

Die Geschichte der Goscinnys

Dieses Album wird sich wahrscheinlich jeder zulegen, der sich nicht nur für Comics, sondern auch für die Menschen interessiert, die die Comics machen. Und da gibt es wenige, die bekannter wären als die Asterix-Schöpfer Rene Goscinny und Albert Uderzo.

Dabei hatte Illustratorin Catel Muller eigentlich keine Lust, Goscinnys Geschichte zu zeichnen. Sie hatte sich bislang mit dem Leben von historisch interessanten, aber wenig bekannten Frauen beschäftigt (Die Frau ist frei geboren, Kiki de Montparnasse) und wollte auch dabei bleiben.

Doch Goscinnys Tochter Anne konnte sie überreden.

Rene Goscinny gilt als einer der ganz großen französischen Humoristen, hat er doch so berühmte Serien wie „Der Kleine Nick“, „Lucky Luke“ und „Asterix“ geschrieben.

1977 stirbt der geniale Szenarist während einer Routineuntersuchung. Seine Tochter Anne Goscinny begibt sich gemeinsam mit der Zeichnerin Catel auf Spurensuche: Wer war der berühmte Vater und wie kam es dazu, dass er sein Leben den Comics widmete?

Mit vielen Originalskizzen und -dokumenten rekonstruieren Anne Goscinny und die Zeichnerin Catel das Leben eines der bedeutendsten Humoristen des 20. Jahrhunderts und damit gleichzeitig auch die Geburt eines Galliers – Soweit der Verlagstext.

Schon das Konzept dieses Albums ist einfach klasse: Catel hat sich die Mühe gemacht, alle Interviews, die Goscinny jemals gegeben hat, zu recherchieren. Dadurch kann sie einzelne Episoden seines Lebens in dessen eigenen Worten erzählen.

Es gibt also jede Menge O-Ton Goscinny, und schon allein dadurch erfährt man viel über das humoristische Wesen des Asterix-Texters. Hier sind Catels klare Schwarzweiß-Zeichnungen mit einem grünlichen Farbton unterlegt.

Episoden, die nicht durch Interviews unterfüttert werden, bindet Catel als Gespräch zwischen ihr und Anne ein. Die Schmuckfarbe ist da ein warmes Ocker.

Natürlich springen auch jede Menge Zeichnerkollegen über die Seiten.

Charlier, JiJé, Stern, Elder, Kurtzman, Morris, Sempé, Hergé, Franquin, und natürlich Uderzo, sind dabei. Manche schauen nur mal kurz rein, andere bleiben länger.

Goscinny lebte lange Zeit in Argentinien und in den USA, wo er versuchte, sich mit seinen Bildergeschichten über Wasser zu halten, was nur selten gelang, und wenn, schlecht bezahlt war. Erst in Frankreich – und da auch erst spät – gelang ihm der Durchbruch.

Es gibt viele Szenaristen, die sich in den Wirren dieser umfangreichen Lebensgeschichte hoffnungslos verheddert hätten. Catel nicht. Sie liefert ein klares, souverän strukturiertes Album ab, das sich prima liest und in dem man nebenbei auch einiges über die Entwicklung des Mediums Comic in den USA und Europa erfährt.

Wichtiger ist jedoch, dass es Catel in ihrem schlichten und zurückhaltenden Stil gelingt, dem Leser einen Eindruck davon zu vermitteln, was für ein Mensch dieser René Goscinny war, dessen Wunsch es schon in frühster Jugend war, später einmal „etwas lustiges“ zu werden.

Die Geschichte der Goscinnys von Catel,

HC, 336 Seiten farbig, Preis 28,00 EUR

Quelle: © carlsen/ comickunst