Descender 05.09.2016 10:38

Descender

Vor kurzem erschien der zweite Band von Jeff Lemire´s Descender und sein Comic setzt die Messlatte für SF Comics gleich um einiges höher.

Die Odyssee um den Kinderroboter Tim hat in kürzester Zeit Fans bis weit über das Genre hinaus in seinen Bann gezogen. Sony Pictures hat sich bereits vor Veröffentlichung der ersten Heftausgabe in den USA die Filmrechte gesichert. Für seine atmosphärischen Aquarellarbeiten wurde Dustin Nguyen mit dem Eisner Award ausgezeichnet.

 

Der Moment an dem der empathische Android Tim-21 aus einem ursprünglich angedachten Kurzschlaf erwacht stellt seine Welt auf den Kopf. Seine ganze Kolonie wurde ausgelöscht und Harvester sind dabei die Galaxis auszurotten. Die Menschheit steht am Abgrund. Roboter stehen nun auf der Abschussliste. Seine Flucht wird zu einer Reise in die unendlichen Weiten des Raums und die Endlichkeit menschlichen Wachstums.

Aber jetzt erstmal zurück zum Anfang und eigentlich fängt die Geschichte auch recht konventionell an:

Alle neun Kernplaneten des United Galactic Council werden von gigantischen Robortern – Harvester genannt – angegriffen. Als die wieder weg sind, passiert das, was in solchen Situationen immer passiert: Die Überlebenden auf den betroffenen Planeten entwickeln einen Hass auf alles, was nach Roboter aussieht. Alle von ihnen hergestellten Roboter werden vernichtet – soweit man ihrer habhaft wird. Vorzugsweise in einem riesigen Schmelztiegel auf dem Planeten Gnish.

Doch wie das so ist: Der ein oder andere entgeht dem Vernichtungsfeldzug – auch ein Robot mit Namen TIM-21. Roboter der TIM-Reihe wurden ursprünglich als Spielgefährten für Kinder produziert. Jahre später gelingt es Wissenschaftlern, den Programmiercode der Harvester zu entschlüsseln. Und siehe da – er ist ähnlich aufgebaut wie der der TIMs. Es muss also eine Verbindung zwischen ihnen geben. Doch niemand weiß, wo die Harvester überhaupt herkamen – und wie demzufolge diese Verbindung zustande gekommen sein kann. Als TIM-21 schließlich auf einem fernen Planeten aus langem Tiefschlaf erwacht, erhofft man sich von ihm weitere Aufschlüsse. Leider sind auch andere hinter ihm her. Und am Ende des ersten von insgesamt vier Bänden der Reihe deutet sich an, dass mehr dahinter stecken muss, als rivalisierende Spezies.

Die Story von Jeff Lemire (Geistergeschichten) liest sich superspannend, und auch am Story Aufbau gibt es nichts zu meckern. Was diese Reihe aber wirklich außergewöhnlich macht, ist ihre Grafik. Was Dustin Nguyen hier an Bildern abliefert, ist einfach nur zum Reinknien. Unglaublich abwechslungsreiche, kreativ layoutete Aquarelle, und oft auch in-, über- und durcheinander fließende Panels zeigen, was Graphic Novel heute kann. Von der starken Kolorierung gar nicht zu reden. Das innovative Artwork ist das Geld für das Album wert – wie immer die Geschichte auch weitergehen wird, sie ist nicht nur für SF-Fans ein Genuss.

Der dritte von insgesamt vier Bänden wird bei Splitter im Februar 2017 erwartet und kann bereits jetzt bei uns vorbestellt werden.

Descender # 1 - 3 von Dustin Nguyen & Jeff Lemire, HC, 120/144 Seiten, farbig, Preis: 19,80/22,80 EUR

Quelle: comickunst/splitter /image