Busengewunder 12.06.2020 10:31

Busengewunder

Köstlich, wirklich köstlich, was Lisa Frühbeis hier in ihren Comic-Kolumnen an Witz und Informationen präsentiert.

Wussten Sie, dass sechs von sieben Figuren bei „Super Mario Kart“ männlich sind? Und Princess Peach fährt voll lahm und kichert nervig! War Ihnen klar, dass es weiblichen Exhibitionismus vor dem Gesetz nicht gibt? Ist ja auch zu hübsch anzuschauen! Schon gemerkt, dass die großen Gewinner der Emanzipation Gender-Marketing und Pink Tax heißen? Oder dass ein Gros der umgangssprachlichen Bezeichnungen für das männliche Genital sich von grobem Mordwerkzeug ableitet? – Soweit der Covertext.

Zu merken gibt´s in dieser Sammlung ihrer dreiseitigen Kolumnen, die von 2017 bis 2019 monatlich im Berliner Tagesspiegel erschienen sind, einiges. Denn was Frühbeis über die unterschiedliche Behandlung von Männern und Frauen zu Papier bringt, verblüfft immer wieder. Beispiel Vermarktung der Geschlechterrollen: Oft sind es ganz alltägliche Dinge, die den Irrsinn deutlich machen.

Kleidung für Männer ist mit vielen Taschen einfach nur praktisch, während Frauen in ihren Klamotten vorrangig gut aussehen sollen. Der fehlende Stauraum muss durch entsprechende Accessoires wie Handtaschen oder Rucksäcke ausgleichen werden.

Die rosafarbenen Nassrasierer wiederum taugen in der Billigvariante allesamt nichts, und sind selbst in der teuren Version oft schlechter sind als die simplen Blauen (aber Blau ist ja für Männer).

Und nein, auch pinkfarbene Hämmer sorgen nicht dafür, dass Frau den Nagel immer auf den Kopf trifft.

Mit ihrem Stift trifft Frühbeis dagegen fast immer. Konsum, Menstruation, stehend pinkeln, behaarte Beine, Pömps und Eisspray – sie kommt zur Sache. Natürlich sind auch ein paar weniger starke Episoden dabei, wie immer in Sammelbänden.

Aber insgesamt liest es sich wie eine erfrischende Kollektion von Aha-Effekten für Männer.

Frauen können es einfach zu ihrem Vergnügen genießen. Auch als Geschenk ist es eine gute Wahl, denn die Cartoon haften Bilder sind eingängig zu lesen und haben viel Witz.

Bleibt die Frage, weshalb man solchen Alben immer öfter ein Vorwort voranstellt, in dem Professoren und Doktoren (in diesem Fall Dr. Véronique Sina vom Institut für Medienkultur und Theater der Uni Köln) dem Leser erklären, dass – und vor allem weshalb! – die folgenden Seiten witzig sind.

Das hat Frühbeis wirklich nicht nötig.

Busengewunder von Lisa Frühbeis,

HC, 128 farbige Seiten, Preis 15,00 EUR

Quelle: © carlsen/youtube