Bartleby, der Schreiber

In einem Büro an der Wall Street wird ein junger Mann als Schreibhilfe eingestellt. Sein Name ist Bartleby, und als gewissenhafter, strebsamer und unermüdlicher Angestellter ist er beliebt bei Arbeitgeber und Kollegen gleichermaßen. Doch aus heiterem Himmel verweigert Bartleby sich jeder weiteren Arbeit mit der höflichen Begründung: »Ich möchte lieber nicht«. Und er weigert sich nicht nur zu arbeiten, schon bald verlässt er auch das Büro nicht mehr…. – Soweit der Verlagstext.

Warum weigert er sich? Melville schrieb diese Geschichte als eine Art Parabel auf einen expandierenden Kapitalismus, der Menschen lediglich auf ihre gewinnbringenden Funktionen degradiert. So beginnt das Album auch mit einem Auszug aus Henry David Thoreaus Essay Pflicht zum Ungehorsam: Die Masse der Menschen dient dem Staat, nicht jedoch in erster Linie als Menschen, sondern als Maschinen…

Bartleby will sich dieser reinen Funktionalität verweigern. Nicht wild und gewalttätig, sondern ruhig, aber entschlossen.

Die grafische Umsetzung übernimmt hier José Luis Munuera, der nicht nur einige Spirou-Alben bebildert, sondern auch den ebenso schönen wie schaurigen Fantasy Band „Das Zeichen des Mondes“ in Szene gesetzt hat. Im vorliegenden Album zeigt er wieder seine Vorliebe für großzügige Seitenaufteilungen und große Figuren. Und weil in diesem Album viel spazieren gegangen wird, gibt es auch sehr schöne Stadtansichten von New York.

Für Literatur- und Comicfans gleichermaßen beliebt und interessant.

Bartleby, der Schreiber von José Luis Munuera, Herman Melville,

HC, 72 Seiten farbig, Preis 18,00 EUR

Quelle: © Splitter/Herman Melville/PPM/comickunst/stripspeciaalzaak.be