The Death of Stalin 26.02.2018 10:34

The Death of Stalin

Willkommen in Absurdistan. Hier gibt sich der Intrigantenstadl der KPdSU (Kommunistische Partei der Sowjetunion) ein lustiges, für einige Beteiligte allerdings tödliches Stelldichein.

Der Grund: Josef Stalin, Führer und Diktator der Sowjetunion, liegt im Sterben.

Normalerweise würde man, wenn man jemanden bewusstlos vorfindet, einen Arzt rufen.

Doch das passiert nicht.

Innenminister Beria, Mitglied im Zentralkomitee (ZK) der KPdSU, der als erster in die Datscha gerufen wird, in der Stalin regungslos auf dem Sofa liegt, nutzt die Gelegenheit, zunächst einige Unterlagen aus Stalins Tresor an sich zu nehmen.

Es sind Dossiers über die anderen Mitglieder des ZK, und diese Dossiers kann man, um die eigene Position in diesem fragilen Machtgefüge zu sichern, gut gebrauchen.

Aber noch immer wird kein Arzt gerufen, denn:

Würde Beria einen ordern, und Stalin käme trotz dessen Behandlung zu Tode, könnte Beria vorgeworfen werden, absichtlich einen Kurpfuscher bestellt zu haben – was seine sofortige Hinrichtung zur Folge hätte.

Also trommelt Beria zunächst die Mitglieder des ZK zusammen. Die stimmen ab und beschließen einstimmig, einen Arzt zu engagieren.

Aber welchen? Dummerweise hat Genosse Stalin erst letzten Monat die besten Ärzte des Kreml-Hospitals hinrichten lassen.

Nicht alles in diesem Album ist wirklich passiert.

Schon alleine der Brief der Pianistin, der zum Schlaganfall des Diktators führt, ist eine ebenso witzige wie frei erfundene Idee.

Viele Hintergründe rund um den Tod des ZK-Chefs sind bis heute ungeklärt.

Aber um exakte Geschichtsschreibung geht es hier auch nicht.

Fabien Nury erzählt eine Geschichte aus dem Innenleben eines diktatorischen Regimes, die sich so oder ähnlich überall zugetragen haben könnte:

In der UdSSR ebenso wie in Nordkorea, in der Türkei, in China oder in sonstigen absolutistischen Regimen.

Und auch in den USA oder der BRD kann man sich ein ähnliches Gerangel um Nachfolgeposten vorstellen – nur, dass man dort nicht mit tödlichen Konsequenzen zu rechnen hätte, wenn man den falschen Arzt bestellt.

Die Graphic-Novel-Vorlage zum Film mit Steve Buscemi, Jason Isaacs und Jeffrey Tambor .

Die gleichnamige Verfilmung des Albums läuft ab April in den Kinos.

The Death of Stalin von Thierry Robin, Fabien Nury, HC, 144 Seiten, Preis 29,80 EUR

Quelle: youtube/comickunst