Schwarze Gedanken 04.05.2017 10:30

Schwarze Gedanken

Mehrfach angekündigt, und jetzt endlich da: Die Gesamtausgabe von André Franquins Schwarze Gedanken als Hardcover.

Dieses Album ist bereits 1983 im Volksverlag und 2005 als SC-Ausgabe bei Carlsen erschienen, und wenn man nicht alle Vorgänger-Alben im Regal stehen hat, um sie vergleichen zu können, weiß man leider nicht, inwieweit sie identisch sind. Soweit ich das überblicke, enthält dieser Band eine bislang unveröffentlichte Geschichte, ansonsten sind alle drei Alben inhaltlich mehr oder weniger gleich.

Besitzer der Vorgänger-Alben brauchen also nicht unbedingt zuzugreifen. Für diejenigen, die diesen Klassiker des großen Zeichners noch nicht kennen, allerdings eine gute Gelegenheit, seine schwarzhumorigen Boshaftigkeiten in einem gediegenen Hardcover-Band zu genießen.

Franquin setzt sich darin mit allerlei politischen und gesellschaftlichen Themen auseinander. Da werden geldgeile Manager Opfer ihrer eigenen Mauscheleien, die Jägerschaft dezimiert sich durch neuartige Munition, die Waffenlobby steht ohnehin ganz oben auf Franquins Abschussliste, Befürworter der Todesstrafe guillotinieren sich unfreiwillig selber, und die Profiteure der Massentierhaltung geraten in ihre eigene Mordmaschinerie.

Das ist böse, gemein und hinterhältig – also kurz gesagt: wunderschön – und jegliche steifbeinige political correctness fehlt völlig.

Trotz aller Gemeinheit, die Franquin hier genüsslich auslebt, sind seine Seiten von einer konsequent humanistischen und pazifistischen Haltung geprägt.

Dazu kommt, dass nicht nur die Zeichnungen, sondern auch die Texte – und die Übersetzung – absolut pointiert daherkommen, was das Lesevergnügen zusätzlich steigert.

Schwarze Gedanken von André Franquins, HC, 72 s/w-Seiten, Preis: 14,99 EUR

Quelle: comickunst