Prix René Goscinny 2019 für Pierre Christin 30.01.2019 10:34

Prix René Goscinny 2019 für Pierre Christin

Pierre Christin wurde 1938 in Paris geboren und war Zeit seines Lebens ein Reisender, ein neugieriger Beobachter seiner Zeit und seiner Zeitgenossen. Diese Neugier fand sich wieder in seinen Aufsätzen, Reportagen und Szenarios. Das wiederum machte ihn in den 1970er für eine junge Generation von Zeichner/innen zum idealen Partner für neue Comics - Geschichten die in den 1970er Jahren entstanden.

Mit der Science-Fiction-Serie um die beiden Agenten Valerian und Veronique des Raum-Zeit-Service hoben Zeichner Jean-Claude Mézières und Szenarist Pierre Christin das Niveau vergleichbarer Comics ihrer Zeit deutlich an. Denn 1967, als die Serie im französischen Magazin Pilote debütierte, waren Weltraumcomics vor allem von klassischer Science-Fiction-Literatur und den Space-Opera-Phantasien aus dem Kino beeinflusst. Doch die Zeiten waren im Begriff, sich zu ändern, und der unerschrockene Valerian und seine attraktive und resolute Begleiterin Veronique sollten ihren Anteil daran haben.

Wie gesagt Pierre Christin wurde zum idealen Partner für die „Neuen“ Zeichner, zunächst für Pilote, später auch für andere Verlage.

Da wären:

„Aufruhr in der Rouergue“ mit Jacques Tardi,

„Kreuzfahrt der Vergessenen“ und „Treibjagd“ zusammen mit Enki Bilal.

Nicht zu vergessen sind die historischen und einfühlsamen Frauenporträts „Das Fräulein von der Ehrenlegion“ und „Die Diva“ mit Annie Goetzinger.

Mit der französischen Zeichnerin Annie Goetzinger hatte Christin noch bis zu Ihrem viel zu frühen Tod im Jahre 2017 an der Krimiserie „Detektei Hardy“ gearbeitet.

In Deutschland wurden die Werke von Pierre Christin seit den 1980er Jahren bei verschiedenen Verlagen publiziert. Vor allem seine bekanntesten Werke mit Mézières, Bilal oder Goetzinger haben hier sehr große Beachtung gefunden. Hier erhielt Christin schon im Jahr 2010, auf dem Internationalen Comic-Salon Erlangen, für sein Lebenswerk den Max-und-Moritz-Preis.

Nun kann der französische Schriftsteller und Comicautor Pierre Christin, inzwischen 80 Jahre alt, auf eine mehr als 50-jährige Karriere zurückblicken.

Sein Wirken geht weit über das Verfassen von nur Comicszenarios hinaus. An der Universität Bordeaux gründete er 1967 die „École de Journalisme“, die er selbst mehr als 35 Jahre leitete und damit zahlreiche Studenten ausbildete.

Davon abgesehen hat er auch noch etliche Romane, Kurzgeschichten und Aufsätzen, die sich nicht selten mit kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Details auch zur Comicgeschichte auseinandersetzen, geschrieben.

Für „Pierre Christins Biographie“ kam also eine andere Form als ein Comics nicht in Frage. Und auch wenn er sich lange erfolgreich gegen eine solche Umsetzung und Realisierung des Stoffes gewehrt hatte, so konnte sein langjähriger Kollege und Freund Philippe Aymond (Lady S.) ihn schlussendlich nicht nur überzeugen, sondern hat mit dem gerade in deutscher Übersetzung erschienenen Album „Ost-West“  - Eine Biographie eine ebenso stimmungsvolle wie historisch wertvolle Lebensgeschichte gestaltet.

Pierre Christin erzählt in "Ost-West" eine subjektive Geschichte der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts zwischen Flower Power und der Atomkatastrophe von Tschernobyl.

So ganz nebenbei gibt er auch einen Einblick in die Geschichte seiner künstlerischen Laufbahn.

Für dieses 99. Werk aus der Feder Christins, erhielt er auf dem Comicfestival in Angoulême nun den Prix René Goscinny für sein Lebenswerk. Diese Auszeichnung erfolgte nach den neuen Richtlinien indem endlich ausschließlich ein Szenarist (und nicht nur wie in den Vorjahren ein Autor/Zeichner) für ein im entsprechenden Jahr veröffentlichtes Werk oder für sein Gesamtwerk ausgezeichnet werden kann.

Diese Auszeichnung von Angoulême und die deutschsprachige Ausgabe der Christin-Comicbiographie Ost-West sind auch der Anlass für das Comicfachmagazin Reddition, sich in der für den Frühsommer 2019 geplanten 70. Ausgabe eingehend mit dem Werk von Pierre Christin und seinen Zeichnerinnen und Zeichnern auseinanderzusetzen.

Quelle: actualitte.com/ Christin/Mézières/Bilal/Aymond/Carlsen