Nachschlag zu Jason Lutes‘ „Berlin“ 25.02.2019 10:28

Nachschlag zu Jason Lutes‘ „Berlin“

Anlässlich der Tour durch Deutschland, die der amerikanischen Comic-Künstler Jason Lutes anlässlich des Erscheinens der Gesamtausgabe von „Berlin“ bei Carlsen unternahm, erschienen noch eine Reihe weiterer Beiträge …

rbb radioeins – Die Literaturagenten: Der Comic-Zeichner Flix stellt im Gespräch mit den Moderatoren Marie Kaiser und Thomas Böhm den Comic-Band von Jason Lutes vor.

Die ganze Sendung ist 48 Minuten lang Der „Berlin“- Beitrag beginnt ab der Minute 34:

Berliner Zeitung: BERLIN BEDEUTET HOFFNUNG - Alexander Bühler im Gespräch mit dem Künstler: „(…) Ich war noch 150 Seiten vom Ende entfernt, ich improvisierte, folgte dem, was mich fesselte und fragte mich, wie soll mein Buch enden? Bitte kein ordentliches Ende, bei dem ich alle losen Fäden abbinde. Und plötzlich dachte ich:

  • Es muss jetzt enden.
  • Hier und jetzt [am Potsdamer Platz].

Mein Impuls war, dem Leser einen realen Platz zu vermitteln. Auch wenn das Buch Fiktion ist und nur meine Erfindung, wollte ich die Leser an diesen Ort ziehen und ihnen zeigen, dass Berlin eine reale Stadt ist voller Menschen. Und ich wollte mein Buch auch mit Hoffnung enden lassen.

Berlin bedeutet für mich auch die stärkste Hoffnung, die man finden kann: wegen allem, was man hier erlebt hat, was man vorfinden kann (…)“.

Gießener Anzeiger: „ES IST BEÄNGSTIGEND“ - Ingo Berghöfer im Gespräch mit dem Comic-Künstler: „(…) Was wir nun überall auf der Welt sehen, sind exakt dieselben entfesselten Kräfte, die in Weimar vorherrschten.

Ich habe dieses Buch geschrieben, um mir selbst über die Umstände klar zu werden, die zum Holocaust geführt haben, und ich erkannte, dass Fremdenfeindlichkeit und Populismus in meinem eigenen Land sehr stark geworden sind.

Es ist herzzerreißend und beängstigend zu beobachten, überall auf der Welt und auch in der Person meines eigenen Präsidenten (…)“

DLF Kultur – Corso: NACH 22 JAHREN ABGESCHLOSSENDie Comic Trilogie „Berlin“  - Jason Lutes im Gespräch mit Moderator Frank Meyer: „(…) Ich konnte es mir als junger Mann einfach nicht leisten zu reisen.

Und als mich dann mein deutscher Verleger das erste Mal eingeflogen hatte und ich an diesen echten Ort kam, hatte ich so eine Angst, dass ich nutzlos ein paar Jahre verbracht hätte und nur ein Hochstapler wäre, so dass ich das Projekt gleich wieder aufgeben müsste, weil es einfach nicht dem entspricht, wie ich es mir vorgestellt habe.

Denn ich kannte Berlin nur von Schwarzweiß-Fotos. Aber sehr schnell beim Herumlaufen in Berlin habe ich gemerkt, dass dieses echte Berlin sehr viel reicher und komplexer ist.

Diese Realität Berlins schaffte eine gewisse Distanz zu meinem imaginierten, fiktionalen Berlin, was ich letztendlich befreiend fand. Ich wollte immer noch authentisch sein, konnte aber auch wieder zu meinem fiktionalen Berlin stehen (…)“ 

Kölner Stadt-Anzeiger: SCHRECKLICH GUTES TIMING - von Christian Bos: „(…) Auch in Deutschland kommt die Gesamtausgabe von ‚Berlin‘ zur genau richtigen Zeit, fast könnte man meinen, Lutes hänge sich an den ‚Babylon Berlin‘-Hype, wäre Volker Kutschers Kriminalroman ‚Der nasse Fisch‘, die Vorlage zur Erfolgsserie, nicht ein paar Jahre nach den ersten Folgen des Comics erschienen.

Jetzt preist Kutscher Lutes ‚Comic-Sinfonie‘ auf der Titelseite der deutschen Ausgabe.

Dass ‚Berlin‘ jetzt mehr und vieldeutiger zu uns spricht, als zu der Zeit, in der Lutes seine Graphic Novel in Angriff nahm, mag auch daran liegen, dass diese nicht im luftleeren Raum entstanden ist (…)“ 

Quelle: youtube/carlsen/ comic.de