Liebe auf Iranisch 29.05.2017 10:34

Liebe auf Iranisch

Nach Satrapis kultigem Persepolis, nach Ein iranischer Albtraum und Zahra´s Paradise liegt mit diesem Album wieder ein Comic vor, der einen authentischen Einblick in das Land der Mullahs gibt. Thema ist das Liebesleben der unverheirateten Generation. Die hat angesichts der konservativen Moralvorstellungen der islamischen Regierung wenig Freude.

Die Ehen werden nach wie vor auf höchst skurrile Weise von den Eltern arrangiert, ein intaktes Jungfernhäutchen in der Hochzeitsnacht ist Pflicht, was bedeutet, dass man seine Sexualität – falls man überhaupt einen Ort findet, an dem man dabei unbeobachtet ist – vor der Ehe nicht frei leben kann, das kleinste Stückchen Haut, dass Frauen in der Öffentlichkeit außerhalb ihres Gesichts zeigen, kann nervige Konsequenzen haben, und wen die Sittenwächter nicht denunzieren, den denunzieren möglicherweise Eltern, Geschwister oder Verwandte.

Also ungefähr so – und damit relativiert sich die Geschichte ein wenig – wie es bis Ende der 1960er Jahre auch in Westdeutschland der Fall gewesen ist. Die Autoren haben zahlreiche Gespräche mit jungen Erwachsenen geführt.

In deren Erzählungen wird nicht nur die politische Unterdrückung, sondern auch die erstickende Enge religiöser Traditionen spürbar. Dabei gehen die Betroffenen durchaus unterschiedlich mit ihrer Situation um. Manche sind ängstlich und bemühen sich, ihre Liebe nach außen zu verbergen, andere sind mutiger und testen Grenzen aus. Auf Veränderungen im politischen System, das wird leider auch sehr deutlich, hofft gegenwärtig kaum jemand von ihnen. Es ein sehr informativer Comic – ebenso schön erzählt wie gezeichnet.

Liebe auf Iranisch von Annie Deloupy, Jane Deuxard, HC, 144 Seiten, farbig, Preis: 19,80 EUR

Quelle: comickunst