Hinter Türen 04.04.2018 10:32

Hinter Türen

Den Impuls zu diesem Album gab das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“. Doch schnell fanden Isabel Kreitz und Stefan Dinter über eigene Recherchen und Gespräche mit Mitarbeiterinnen des Hilfetelefons einen Zugang zum Thema…

„Die Umgebung der Geschichte und auch die Figuren sind eher unspektakulär und bewusst alltäglich gewählt. So machen wir deutlich, dass Gewalt gegen Frauen mitten in der Gesellschaft stattfindet“, sagt Isabel Kreitz

Im Ergebnis entsteht eine Erzählung, die zwar fiktiv ist, jedoch stellvertretend steht für die vielen Frauen, die tagtäglich beim bundesweiten Hilfetelefon anrufen und Unterstützung erhalten.

Die Graphic Novel fordert dazu auf, hinter die Kulissen und Fassaden zu blicken. Soweit der Textauszug von der Website des Projekts.

Gesellschaftspolitische Themen dieser Art werden in Comic-Adaptionen oft verhunzt, weil die Autoren auf keinen Fall etwas falsch machen wollen. Es geht schließlich um ein wichtiges Thema. Da verschanzt man sich gerne hinter so viel political correctness, wie möglich, wodurch die Geschichten sich hölzern und langweilig lesen.

Das ist hier nicht der Fall.

Kreitz und Dinter entwickeln eine sehr realitätsnahe Story, die sich flüssig und wie aus dem Leben gegriffen liest, und gerade dadurch so wirkungsvoll ist, weil sie völlig unspektakulär daherkommt.

Dabei ist alles drin: Gewalt in der Ehe, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, Diskriminierung, das Wegschauen und das Nichtverhalten, und auch die soziale Isolation, in die Frauen von ihren Männern in Beziehungen oft getrieben werden, um sie besser kontrollieren zu können. Die Strukturen, die die Grundlage dafür bieten, dass Gewalt gegen Frauen überhaupt funktioniert, werden prima rausgearbeitet.

Ein informativer Comic, der sich dazu noch spannend liest.

Hinter Türen von Isabel Kreitz, Stefan Dinger,

in Zusammenarbeit mit dem Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“,

48 Seiten, Preis - online lesen

Quelle: hinter-tueren.de /comickunst