Die Windpferde 17.01.2018 10:29

Die Windpferde

In wunderschönen Bildern, die teils eine ganze Seite ausfüllen und den Flair des gebirgigen und unwirtlichen Landes widerspiegeln, wird hier eine Geschichte erzählt, die sehr viel von der Tradition und politischen sowie religiösen Hintergründen einfängt. Die Kolorierung mit einem Touch von Aquarellen zeigt vor allem die Landschaft in erdigen und geschmackvoll gemischten Farbtönen.

Das Ambiente dieser Kultur wird sehr schön dargestellt; ebenso die grandiosen Berge, beeindruckende Klosteranlagen und die Einsamkeit im Schnee.

Der Zeichner Jean-Claude Fournier ist zwar renommiert bei Funnys (Spirou und Fantasio), doch auch die realistischen Szenarien beherrscht er sehenswert.

Jean-Claude Fournier hat im Comic stets die Synthese seiner beiden Leidenschaften gesehen: des Zeichnens und des Theaters.

Mit Die Windpferde schenkt sein Freund Lax ihm das Dach der Welt als Bühne unter freiem Himmel.

Windpferde, das sind jene bunten Gebetsfahnen, die sich in der Brise wiegen, im Sturm knattern, in der Sonne und dem Monsun bleichen, im Laufe der Zeit zerfetzen, aber niemals aufhören, die Geister zu erhellen.

Die Windpferde, ist die Saga einer Familie im Himalaya Ende des 19. Jahrhunderts.

Vor dem Hintergrund der britischen Kolonisierung spielt sich diese Geschichte im Schatten der schneebedeckten Gipfel ab:

Calay Tansens jüngster Sohn Tazi, taubstumm von Geburt an, wird von den Kindern des Dorfes oft gehänselt und durch einen gemeinen Streich beinahe umgebracht.

Daraufhin kommen Vater Calay Tansen und seine älteren Söhne überein, ihn ins Kloster zu schicken, denn einerseits sei das Tradition und andererseits bekommt Tazi dann eine Ausbildung und wird geachtet.

Weil danach die beiden ältesten Söhne um eine junge Frau buhlen und sich streiten, geht einer der beiden, Resham, freiwillig fort und heuert bei den Soldaten an.

Nach 15 Jahren möchte der Vater seinen Jüngsten noch mal sehen und macht sich auf den langen, beschwerlichen Weg.

Doch nur ein paar Schritte von ihm entfernt wird er als Spion verhaftet und ins Gefängnis gesteckt!

Der zur Familie zurückgekehrte Resham desertierte als Soldat und macht sich seinerseits auf die Suche nach seinem jüngeren Bruder Tazi und seinem Vater.

Auf dieser gefährlichen Mission kommt ihm seine Ausbildung als Kämpfer zugute, bis er endlich seinen Vater befreien und nach einem kurzen Wiedersehen mit Tazi mit ihm die Heimreise antreten kann.

Mit den kleinen Geschehnissen im Dorf startet die Geschichte in ein spannendes Abenteuer, in eine romantisch anmutende Erfolgsgeschichte, in der Tazi zu einem angesehen Mönch und Künstler heranwächst und in eine schlussendlich tragische Reise, denn das Schicksal holt Caray noch vor der Heimkunft ein.

Doch der Comic enthält neben einigen obligatorischen Kampfszenen auch sehr warmherzige und menschliche Begebenheiten.

Die Abfolge ist eher ruhig und bedächtig, mit Ausschmückungen von typischen buddhistischen Einsprengseln, dabei aber keineswegs langatmig oder langweilig!

Eine Lektüre zum Genießen, sofern man auf vordergründige sensationelle Effekte und Heldengebaren verzichten kann. Keine Mystik, kein Mumpitz.

Aber ein gediegenes Abenteuer, das durchaus realistisch im Kontext der damaligen Zeit und der Region sein hätte können.

Sehr unterhaltend!

Die Windpferde Gesamtausgabe von Lax, Fournier, HC, 162 Seiten farbig, Preis 29,90 EUR

Quelle: ppm