Die Fahrten des Odysseus 29.07.2019 10:29

Die Fahrten des Odysseus

Ende des 19. Jahrhunderts begibt sich Jules, ein unbekannter und bitterarmer Maler, auf eine ziellose Wanderung über das Mittelmeer.

Er sucht seine Muse, seine verlorene Liebe Anna. Seine Irrfahrt treibt ihn von Hafen zu Hafen, bis er in Istanbul Salome kennenlernt, die Kapitänin der »Odysseus«.

Auch sie hat jemanden verloren: Sie sucht den Maler Ammon, dessen Spezialität die griechische Antike war.

Fortan bestreiten Jules und Salome ihre Odyssee gemeinsam… - Soweit der Verlagstext.

Emmanuel Lepage hat sein Sujet gefunden: das Meer, die Schifffahrt und die Mythologie.

»Die Fahrten des Odysseus« ist eine hindernisreiche Irrfahrt auf der Suche nach sich selbst, angelehnt an Homers Werk, dazu ein wuchtiges Beziehungsdrama mit vielschichtigen Figuren, eine Meditation über die Vergangenheit und die Erinnerung und nicht zuletzt eine Liebeserklärung an die neunte Kunst.

Dieses Album ist in der Tat eine Liebeserklärung an die neunte Kunst, denn:

Es ist einfach großartig.

Was Graphic Novel sein soll – und sein kann – wird hier auf jeder Seite deutlich.

Die Bilder von Lepage sind stark wie immer, und die Art, wie er Gegenwart, Vergangenheit und Mythen ineinander webt, ist nicht nur erzählerisch, sondern auch grafisch erste Sahne.

Trotz allerlei Verästelungen verliert der Handlungsstrang nie den roten Faden, unterschiedliche Zeitebenen werden durch verschiedene Stile und Kolorierungen getrennt, wobei er Bilder und Layouts auf die Seiten bringt, die man sich wieder und wieder und wieder ansehen möchte, und bei alledem bleibt der Unterhaltungswert zu keiner Zeit auf der Strecke.

Selbst der olle Homer und seine Götter stören nicht größer. Ein unerwarteter Schluss rundet die Geschichte schließlich ab, in der es vor allem darum geht, wie man sich als junge Frau in einer von Männern dominierten Welt einen eigenen Weg erkämpft.

Entwickelt hat Lepage die Geschichte zusammen mit Sohpie Michel, die schon das Szenario zu seinem Comic „Oh, diese Mädchen“ geschrieben hat.

Die Zeichnungen sind von ihm, die eingestreuten Gemälde aus der Odysseus-Sage stammen von René Follet und bilden mit ihrer ungezähmten Dynamik einen klasse Gegensatz zu den mehr kontemplativen Bildern von Lepage.

Dazu kommt ein 40seitiger Anhang, dessen Skizzen und Gemälde schon fast alleine das Geld für diesen Band wert sind.

Zweifellos eines der besten Alben des Jahres.

Die Fahrten des Odysseus von Emmanuel Lepage, René Follet, Sophie Michel,

HC, 272 Seiten farbig, Preis 39,80 EUR

Quelle: ppm/comickunst