Der Marquis von Anaon 29.11.2017 10:30

Der Marquis von Anaon

Zwischen Legende und Wirklichkeit:

Der Marquis von Anaon entführt die Leser in eine Welt des 18. Jahrhunderts, in der das Leben der Leute noch sehr stark durch Aberglauben, Legenden und schwarze Magie geprägt ist.

Hauptfigur der Serie ist der junge, an ungewöhnlichen Ereignissen interessierte Jean-Baptist Poulain, der so seine Probleme mit den Anschauungen hat, die unter seinen Mitmenschen vorherrschen, und die sich leicht von allem Geheimnisvollen und Übernatürlichen einnehmen lassen.

Der Marquis von Anaon ist im historisch-fantastischen Krimi-Genre angesiedelt.

Band 1 der Serie mit dem Titel „Die Insel Brac“ widmet sich dem Mythos um den geheimnisvollen Oger:

„Man erzählt sich, dass man bei starkem Wind rund um die Insel Brac die Stimmen der Toten hören kann und dass sie zu den Lebenden sprechen und über das Unglück klagen, das noch kommen wird. Das hat mir zumindest ein Seemann versichert, den ich in Quimper traf. Aber obwohl ich gute Ohren habe, habe ich bis jetzt noch nichts gehört. Vielleicht werden die Stimmen ja vom Knarren der Takelwerke übertönt …“

Die ersten Gedanken des jungen Helden Jean-Baptist Poulain am Beginn des ersten Bandes lassen einem beim Lesen schon einen gewissen Schauer über den Rücken laufen, als sich dieser auf dem Weg zur Insel Brac befindet.

Baron Gwenolé von Brac hat Poulain als Hauslehrer für seinen Sohn Nolwen engagiert.

Als Jean-Baptist auf dem Anwesen des Barons ankommt, wird dessen Sohn zunächst vermisst und wenig später ermordet aufgefunden!

Damit hat Poulain seinen Job bereits verloren, bevor er ihn überhaupt begonnen hat. Darum möchte er die Insel, auf der sich die Bewohner sehr feindlich zeigen, auch möglichst schnell wieder verlassen.

Doch wie sich wenig später zeigt, hat das Boot, mit dem er angekommen ist, die Insel bereits wieder verlassen. Damit ist er zunächst sozusagen auf der Insel gefangen …

Wenig später erfährt Poulain vom Baron, warum die Inselbewohner ihm gegenüber (und allen Personen die mit ihm zu tun haben) so feindselig sind:

Sie halten ihn für eine Art Oger, der kleine Kinder tötet.

Ein Oger ist in französischen Märchen ein Menschenfresser.

Poulains Entdeckungen zeigen, dass die Befürchtungen der Inselbewohner nicht ganz abwegig sind. Und dann soll es auf der Insel Brac auch noch ein mysteriöses Tor in eine andere Welt geben …

Die Serie „Der Marquis von Anaon“ ist eine echte Comic-Überraschung.

Szenarist Fabien Vehlmann vermischt geschickt Legende und Wirklichkeit:

Auf der einen Seite gibt es den Aberglauben der Dorfbewohner über den Oger, andererseits sind die toten Kinder eine bewiesene Tatsache.

Und die Wahrheit über die Umstände des Ablebens der Kinder ist am Ende sehr grausam und sehr real …

Den Autoren gelingt es auf bemerkenswert Art, die düstere Atmosphäre auf der Insel Brac in Wort und Bild zu vermitteln.

Die Zeichnungen von Bonhomme vermitteln auf wunderbare Weise die über der Insel schwebende Mischung aus Furcht und Angst, die sehr gut mit Vehlmanns Szenario harmoniert.

Die Farbgebung trifft den Kern der Story und die ausgearbeiteten Charaktere sind sehr gelungen.

Ausgezeichnete Arbeit!

Der Marquis von Anaon Band 1 - 5 von Fabien Vehlmann & Matthieu Bonhomme, SC, 48 - 52 farbige Seiten, Preis je 12,90 EUR

Quelle: youtube/ppm