Claire Bretécher R.I.P. 14.02.2020 10:27

Claire Bretécher R.I.P.

Die französische Karikaturistin Claire Bretécher starb am 11. Februar. Sie wurde 79 Jahre alt.

Sie ist die einzige Frau, die für fast alle großen Comic-Magazine in Frankreich, Belgien und den Niederlanden gearbeitet hat.

Ihre Comics erschienen auch in den USA, Deutschland, Italien, Spanien, Serbien, Dänemark, Schweden ...

Die Grande Dame des psychologischen und sozialkritischen Beobachtungshumors konzentrierte sich in ihren Comics, die schon früh übersetzt wurden, oft auf Beziehungen zwischen Männern und Frauen. Sie stellte die Frauen jedoch hauptsächlich in realistischer Weise dar, sowohl in ihrem Verhalten als auch in ihrem äußeren Erscheinungsbild. Das war so zuvor nicht zu sehen in der männlichen Comicwelt, in der sie ihr Debüt gab.

Nachdem sie ihre Tätigkeit als Zeichenlehrerin aufgegeben hatte, zeichnete sie 1963 ihren ersten Comic über einen Postboten den René Goscinny für sie schrieb. Ihre grafischen Qualitäten entsprachen nicht Goscinnys Erwartungen und die schwierige Zusammenarbeit hörte nach einigen Monaten auf. Das hinderte sie aber nicht daran, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen.

Ab 1964 zeichnete sie verschiedene Illustrationen, Kurzgeschichten und Serien für die verschiedenen Verlags Magazine. 1969 wechselte sie dann zu Pilote, dem französischen Wochenmagazin mit Serien wie Asterix, Der rote Korsar, Blueberry und Tanguy und Laverdure, das aber auch immer mehr alternative Comics für Erwachsene veröffentlichte. René Goscinny war dort bis 1968 der Chefredakteur.

Zusammen mit den Pilote-Dissidenten Marcel Gotlib und Nikita Mandryka gründete sie im Mai 1972 die Comic-Zeitschrift L'Echo des Savanes, in der scharfer Humor und Satire ungezügelter waren, obwohl Goscinny bei Pilote nie eine Geschichte von ihr verweigerte.

Ab 1973 zeichnete sie mit großem Erfolg Die Frustrierten, Die Mütter und Agrippina.

Die Frustrierten war der allererste französische Comic der im großen Stil als Hauptthema mit sozialer Kritik an der Mittelschicht aufwartete.

Die Frustrierten und die Agrippina erlebten 1975 bzw. 2001 eine Adaption als Zeichentrickfilm und Die Frustrierten wurde auch als Theaterstück auf der Bühne aufgeführt.

Bretécher übernahm sehr früh selbst die Verwaltung ihrer Comics und leistete damit einen wesentlichen Teil an Pionierarbeit.

Ab 1975 veröffentlichte sie ihre Comics bis Mitte der 2000er Jahre selbst. Für ihren ersten, selbst veröffentlichten Comic (der erste Teil von Die Frustrierten) gewann sie sofort den Preis für den besten Drehbuchautor in Angoulême.

In Bezug auf das Selbstverlagswesen sagte sie einmal: "Ich war ein bisschen paranoid gegenüber Verlagen und habe es nach L'Echo des Savanes einfach genossen, das selbst zu tun. Mir hatten immer Freundinnen dabei geholfen und ich habe natürlich viel Geld verdient."

Andere folgten ihrem Beispiel, ihre Comics ( zeitweise ) selbst zu veröffentlichen: Jean Tabary ( Isnogud), Jean Graton ( Michel Vaillant ) und Albert Uderzo ( Asterix ). Dazwischen veröffentlichten größere Verlage wie Dargaud (ihre Arbeit von Pilote) und Glénat (ihre Jugendarbeiten).

1983 wurde sie anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des Comicfestivals der Stadt Angoulême mit einem Sonderpreis ausgezeichnet. Diese Jubiläumspreise wurden als Gesamtpreis nur an Hugo Pratt (15. Auflage), Morris (20. Auflage), Albert Uderzo (100. Auflage), Joann Sfar (30. Auflage) und Akira Toriyama (40. Auflage) verliehen.

Neben ihren Comics war sie unter anderem auch als Illustratorin für die Werbewelt tätig. Große Ausstellungen präsentierten ihre Arbeiten, unter anderem auch im Centre Pompidou in Paris.

Sie wurde auch gebeten, an den französischen Fernsehprogrammen teilzunehmen.

Claire Bretécher war halt eloquent, intelligent, komisch und telegen.

Quelle: © youtube/stripspeciaalzaak.be/carlsen