Betty Boob 30.11.2018 10:35

Betty Boob

Zunächst erstmal, mit der von Max Fleischer geschaffenen Cartoonfigur Betty Boop hat diese Betty nichts, aber auch gar nichts zu tun.

Und nein, es geht auch nicht um ein Pin-up-Girl, das mit seiner Oberweite Geld verdient.

Ganz im Gegenteildenn Betty verdient ihr Geld ohne Busen.

Zumindest ohne den linken, denn der wurde ihr amputiert.

Brustkrebs.

Auch die Haare mussten während der Chemo dran glauben.

Kein Wunder, dass sich Betty da scheiße fühlt – und zu allem Überfluss will ihr eigener Mann nach der OP nichts mehr von ihr wissen.

Jedenfalls im Bett nicht...

Genau das ist die Ausgangssituation, die Véro Cazot als Grundlage für die Frage nimmt, ob Menschen wirklich immer perfekt sein müssen, oder ob es im Leben nicht auch andere Dinge gibt.

Er entwickelt daraus eine Geschichte, die anfangs erschreckend realitätsnah daher kommt, geht dann allerdings ziemlich glatt dem absehbaren Happyend entgegen. Allzu spannend ist sie also nicht, aber dieses kleine Defizit wird von der überragenden Grafik völlig in den Hintergrund gedrängt.

Die Geschichte kommt fast ohne Text aus.

Wie die Kanadierin Julie Rocheleau sie auch umsetzt, ist einfach nur wunderschön.

Weicher Strich, fließende Bewegungen, mal verträumt und verspielt, manchmal nah am Cartoon, pures Leben in jedem Panel, Bewegung und Mimik immer exakt beobachtet, abwechslungsreiches Layout – nein dieses Album hört gar nicht mehr auf, Freude zu bereiten.

Tragik, (Situations)komik, echte Charaktere und Seiten, die man sich gerne länger und öfter anschaut.

Ja - So geht Graphic Novel…

In Frankreich hat sie den Buchhandelspreis dafür bekommen.

Bitte ganz schnell mehr von dieser Zeichnerin.

Betty Boob von Julie Rocheleau, Véro Cazot, HC, 184 Seiten farbig, Preis 24,80 EUR

Quelle: youtube/comickunst