Berlin Gesamtausgabe 08.02.2019 10:27

Berlin Gesamtausgabe

Jason Lutes schildert in seiner Berlin-Trilogie auf rund 600 Seiten Leben und Atmosphäre im Berlin der Weimarer Republik.

Er beginnt im September 1928 und endet mit der Ernennung Hitlers zum Kanzler.

Am Beispiel von Menschen aus unterschiedlichen Schichten zeigt er, wie Deutschland sich in diesen fünf Jahren verändert. Die Lebensbedingungen verschlechtern sich, es gibt nicht mehr genug zu essen, die Unzufriedenheit wächst, die politischen Strömungen von rechts bis links auch.

Während Hunger und Perspektivlosigkeit steigen, amüsieren sich diejenigen, die es sich leisten können, in Nachtclubs und Bars, während es für die jüdischen Bewohner langsam eng wird.

Gut herausgearbeitet wird, dass die politischen Risse nicht nur durch die Gesellschaft, sondern auch durch ganze Familien gehen.

Besonders treffend skizziert Lutes die Entwicklung des Journalisten Kurt Severing, der anfangs engagiert zur Feder greift, angesichts des zunehmenden Irrsinns um ihn herum aber immer mehr verstummt.

Das alles in Zeichnungen, die prima zu den 1920er Jahren passen.

Gut 20 Jahre hat Jason Lutes daran gesessen. Musste er auch.

Denn wenn jemand, der in Seattle lebt, irgendwann aus heiterem Himmel auf die Idee kommt, einen 600-Seiten-Comic über ein Thema zu machen, von dem er eigentlich keine Ahnung hat, ist intensive Recherche die Voraussetzung dafür, dass etwas Sinnvolles dabei rumkommt.

Das Ergebnis wird zurzeit vom Feuilleton mit Superlativen bejubelt:

…opus magnum, Comic-Sinfonie, große Kunst…

Die Geschichte wird sehr schlüssig erzählt und dazu kommen noch 600 Seiten Ligne claire, allesamt in Schwarzweiß …

Berlin Gesamtausgabe von Jason Lutes,

HC, 608 Seiten s/w, Preis 46,00 EUR

Quelle: comickunst/carlsen