Ar-Men 11.07.2018 10:28

Ar-Men

Die Alben von Lepage haben mir schon immer gefallen. Vor allem, nachdem sie nicht mehr in kleinem Book-, sondern in großem Splitter-Format erscheinen.

Seine Reportagen über seine Reisen in die Antarktis (Reise zum Kerguelen-Archipel, Weiß wie der Mond) waren nicht nur spannend zu lesen, sondern auch pure Augenweiden.

Und sein Ausflug nach Tschernobyl hat zwar nicht mehr viel Sinn gemacht, aber die Bilder waren auch hier erstklassig (Ein Frühling in Tschernobyl).

Daneben waren es natürlich auch die ungewöhnlichen und unwirtlichen Orte, die die Faszination seiner Alben ausgemacht haben.

Ar-Men ist ein ödes Stück Fels, und ein ziemlich kleines dazu. Es liegt weit vor der bretonischen Küste in der Nähe der Île de Sein.

Das bisschen Gestein wäre nicht der Rede wert, stünde darauf nicht ein 29 Meter hoher Leuchtturm, der zu den ab gelegensten und unzugänglichsten Leuchttürmen der Welt zählt.

Nachdem vor der Küste immer wieder Schiffe an den Riffen zerschellt waren und Sturmfluten das nahe gelegene Dorf überflutet hatten, wurde sein Bau 1867 beschlossen, um passierenden Schiffen Licht und Orientierung zu geben.

Bis zu seiner Fertigstellung auf dem glitschigen und algenverschmierten Stück Stein vergingen fast 15 Jahre.

Lepage schildert in diesem Album die Entstehung des Leuchtturms und macht das wie immer sehr geschickt:

Er lässt einen Leuchtturmwärter erzählen, setzt Rückblenden ein, integriert Mythen und Geschichten und lässt vor allem seine großartigen Bilder sprechen.

Wie er das Licht in die Wellen und den Leuchtturm zaubert, das ist einfach vom Feinsten.

Die unterschiedlichen Erzählebenen trennt er durch unterschiedliche Kolorierungen, oft auch durch unterschiedliche Zeichenstile.

Und neben den tollen Bildern gibt es die Geschichte eines Mannes, der sich in diesen abgelegenen Turm zurückgezogen hat, um zu sich selbst zu finden.

So schön wie immer.

Ar-Men von Emmanuel Lepage, 96 farbige Seiten, limitiert, HC, Preis 19,80 EUR

Quelle: comickunst