Annie Goetzinger (1951-2017) 04.01.2018 10:32

Annie Goetzinger (1951-2017)

Schon am 20.12.2017 folgte leider die nächste traurige Nachricht:

Die französische Comickünstlerin Annie Goetzinger, grande dame de la bande dessinée, ist 66-jährig gestorben.

Seit Anfang der 70er Jahren veröffentlichte sie ihre ersten Comics in legendären Magazinen wie Fluide Glacial, Métal Hurlant und Pilote, erhielt bereits 1977 in Angoulême gleich zwei Preise für ihre erste längere Comicerzählung „Légende et réalité de Casque d’or“ 1976 (auf Deutsch 1981 unter dem Titel „Legende und Wirklichkeit von Goldlöckchen“ im Volksverlag).

Das Album dreht sich um die „Goldhelm“ genannte Prostituierte Amélie Élie, die im Paris der Belle Epoque in Bandenkriege verstrickt wird.

Für dieses Buch erhielt Goetzinger 1977 beim Festival International de la Bande Dessinée d’Angoulême den Preis für das beste Album – als eine von nur fünf Frauen bis 2017.

Der Grand Prix blieb ihr allerdings bis zuletzt verwehrt.

Sie schuf mit dem berühmten Szenarist Pierre Christin über ein halbes Dutzend Klassiker, darunter „La Demoiselle de la Légion d’honneur“ (Dargaud), „La Diva et le Kriegsspiel“ (1981 Dargaud), „La Voyageuse de la petite ceinture“ (1985 Dargaud), „Charlotte et Nancy“ (1987 Dargaud), „Le Tango du disparu“ (2008 Métaillé), „Le Message du simple“ (1994 Le Seuil), „La Sultane blanche“ (1996 Dargaud) und „Paquebot“ (1999 Dargaud).

Annie Goetzinger verbuchte ihren ersten größeren Erfolg mit der von Victor Mora geschriebenen Serie „Félina“, die sie ab 1978 zeichnete (auf Deutsch 1981 im Volksverlag). Die Geschichte um eine maskierte Heldin auf Rachefeldzug ist zu Beginn des 20. Jahrhunderts angesiedelt und in Zeichnungen wie Seitengestaltung eine Hommage an den Jugendstil.

Zu einem Szenario des früheren Cheflektors von Carlsen Comics, Andreas C. Knigge, und des norwegischen Dichters Jón Sveinbjørn Jónsson zeichnete Goetzinger „Die verlorene Zukunft“ um das Thema Aids.

Der Comic erschien 1992 beim Carlsen Verlag, aber auch in Frankreich und weiteren europäischen Ländern.

Ab 2001 folgte die siebenteilige Serie „Detektei Hardy", die 2016 auch in deutscher Übersetzung als zweibändige Gesamtausgabe neu bei Kult Comics herausgebracht wurde, nebst ihrer letzten Graphic Novel „Ein Kleid von Dior".

Quelle: kult/dargaud.com