Angola Janga 10.04.2019 10:30

Angola Janga

Jahrhundertelang wurden afrikanische Sklaven auf den Zuckerrohr- und Kaffeeplantagen brasilianischer Großgrundbesitzer ausgebeutet. Doch im 19. Jahrhundert begann das System zu bröckeln. 1888 schaffte die brasilianische Krone als letztes Land der westlichen Welt die Sklaverei ab.

Mit den verschleppten Sklaven über das Meer kamen die Orixás, afrikanische Gottheiten, nach Brasilien. Den Neuankömmlingen waren ihre eigenen Götter verboten, also versteckten sie die Orixás hinter katholischen Heiligen und verehrten sie so heimlich. Bis heute wurden auf diese Weise afrikanische Lieder, Tänze und Bräuche mündlich überliefert und leben im Candomblé weiter. Gleichzeitig vermischten sich die Religionen - auch viele der offiziellen Katholiken im Land huldigen parallel den Orixás.

Noch lange nach der Sklavenzeit war Candomblé verboten, die Priesterinnen und Priester wurden sogar zeitweilig wegen angeblich schwarzer Magie ins Gefängnis gesteckt. Heute ist Candomblé offiziell anerkannt, und einige Orixás werden bereits in ganz Brasilien groß gefeiert.

3.000 Gemeinden gibt es allein in der Küstenmetropole Salvador de Bahia.

Die afro-brasilianische Kultur ist nirgendwo so lebendig wie in Salvador de Bahia. Denn hier war bis Ende des 19. Jahrhunderts der Hauptumschlagplatz für Sklaven in Brasilien. Die Westafrikaner brachten ihre Schätze mit: Musik, Rhythmen und Tänze. Auch Götter und Riten kamen mit den Sklaven und vermischten sich schnell mit katholischen Einflüssen.

Daraus wurde die afro-brasilianische Religion Candomblé.

Die Köchin Elaine Cruz lebt nicht nur nach den Regeln dieser Religion, sie kocht auch danach. Und zaubert einzigartige Spezialitäten, die Götter und Menschen gleichermaßen munden. 360° - GEO Reportage hat Elaine Cruz in Bahia beim Kochen für ein großes Fest einer Candomblé-Gemeinde über die Schulter geschaut.

In seiner neuen Graphic Novel taucht der gefeierte Comickünstler Marcelo D’Salete in ein faszinierendes Kapitel der brasilianischen Kolonialgeschichte ein – die Entstehung von Angola Janga.

Dieses unabhängige Königreich, das Ende des 16. Jahrhunderts von entlaufenen Sklaven und Sklavinnen gegründet wurde, war ein Leuchtfeuer der Freiheit in einem von Unterdrückung geplagten Land.

In seinen Kompositionen mit schwarzer Tinte und starken Hell-Dunkel-Kontrasten erweckt D’Salete diese Zeit zum Leben, indem er die schmerzhaften Geschichten von Sklaven auf der Flucht, die brutalen Überfälle portugiesischer Kolonialisten und die angespannten Machtkämpfe in diesem unsicheren Königreich anschaulich wiedergibt.

Angola Janga beleuchtet abwechselnd herzzerreißende und ermächtigende Momente des Widerstands gegen Unterdrückung. – Soweit der Verlagstext

Marcelo D´Salete hat für sein Album Cumbe im vergangenen Jahr den Eisner-Award eingeheimst. Auch darin hat er sich bereits mit der Geschichte der Sklaverei in Brasilien beschäftigt.

Angola Janga ist mehr als doppelt so umfangreich. Die Geschichte ist entsprechend vielschichtiger.

Und wie in Cumbe kommt die streckenweise sehr assoziativ erzählte Story auch hier wieder ohne viel Text aus.

Die Bilder mit ihren harten Schwarzweißkontrasten bleiben dabei Geschmacksache.

Angola Janga von Marcelo D´Salete,

HC, 432 s/w Seiten, Preis 29,00 EUR

Quelle: youtube/comickunst