Aktuelles aus der Szene 26.01.2018 10:30

Aktuelles aus der Szene

Angoulême: Grand Prix an Richard Corben

Der amerikanische Comic-Künstler Richard Corben wird mit dem Grand Prix des Internationalen Comicfestivals in Angoulême ausgezeichnet. Am Vorabend zur Eröffnung am gestrigen Donnerstag wurde das Ergebnis einer Abstimmung bekannt gegeben, bei der alle in Frankreich verlegten Comic-KünstlerInnen ihre Stimme abgeben konnten. Im Finale setzte sich Corben gegen Emmanuel Guibert und Chris Ware durch.

Corben wird so im kommenden Jahr mit einer umfangreichen Ausstellung geehrt. Er folgt damit auf Katsuhiro Otomo, Hermann und Cosey, die in den Vorjahren ausgezeichnet wurden. Seine Comics erscheinen seit Ende der 1960er Jahre, er ist vor allem für seine opulenten Fantasy-Arbeiten bekannt. In Deutschland erlangte Corben, der meistens nach Textvorlagen von Autoren arbeitet, durch Veröffentlichungen in Magazinausgaben und Sonderheften von „U-Comix“ und „Schwermetall“ Bekanntheit.

Ulli Lust - Comic-Album in Angoulême nominiert

Eine Hymne der Emanzipation, so wird das Album von Ulli Lust auf den Seiten des größten Comic-Festivals in Europa vorgestellt.

Arte.tv kommentiert dazu: Ein Comic voller Lust - Es ist nicht das erste Mal, dass Ulli Lust autobiographisch zeichnet - und damit einen Nerv trifft.

"Wie ich versuchte ein guter Mensch zu sein" ist der neuste Teil einer Serie, in dem die Comicautorin ohne Tabus von ihrem Sexleben erzählt. Eine poetische Welt zwischen Liebe, Emanzipation und Selbstfindung. Das Beste, weil interessanteste Album, vielen Meinungen und auch diesem Bericht der Kulturredaktion von arte.tv nach.

Aber die Jury...abwarten. Viel Erfolg!

Es gab jedoch auch Kritik in der Comic-Fachzeitschrift "ALFONZ-Der Comicreporter":

...Angesichts der aktuellen Missbrauchsdebatten u. grassierenden "me-too"-Bekenntnissen setzt Lust wohltuend andere feministische Akzente. Selbst Opfer eines Missbrauchs geworden, verliert sich die Autorin nicht in passiver (An)Klage, sondern definiert stattdessen offensiv ihre sexuellen Bedürfnisse. Diese sind nicht romantisch verklärt, sondern streben forsch nach der Befriedigung ihrer Libido. Wenn dann noch Liebe dazu kommt, wird es umso reizvoller. Ulli Lust macht damit einer ganzen Generation von jungen Frauen Mut, die Freude am "Ficken" nicht den Männern zu überlassen.

Nicht aus der Defensive argumentieren, sondern proaktiv leben, so wie es sich Frau wünscht. Männer, die zu Übergriffen neigen, können in der Regel mit dieser Art von Selbstbestimmtheit nicht umgehen. Patriarchale Systeme in denen einem sexuell aktiven Mann Respekt gezollt wird, während eine Frau als "Schlampe" Diffamierung droht, haben im Universum von Ulli Lust abgedankt.

Ulli Lusts zeichnerisches Vermögen steht dabei auf einem anderen Blatt. Der Undergroundcomic hat uns gelehrt, dass auch bescheidenes Talent in einem eigenständigen Stil transformiert, tolle Comics hervorbringen kann. Sich allerdings - wie z.B. auf S. 52 - für eine Splash-Page zu entscheiden und dann nicht über das zeichnerische Niveau einer Schülerzeitung hinaus zu kommen, bereitet etwas Unbehagen. Zumindest sollte das Feuilleton mit Bezeichnungen wie "Meisterwerk" etwas vorsichtiger sein, denn sonst bleibt keine Luft mehr nach oben...

Die Schwierigkeit vom Comiczeichnen zu leben - Das muss nicht sein

Die Probleme bestehen leider in beiden Ländern schon lange.

Das kommende 45. Comicfestival in Angoulême, das größte in Europa, bietet sich an, diesem Thema medial Gehör zu verschaffen. Sagt und fordert es in jede Kamera - auch die Comic- und Manga Leser sind aufgerufen eine fortwährende, staatliche Kulturförderung für den Comic zu fordern.

Dazu sind noch viele Fakten zur schwierigen Situation der Künstlerinnen und Künstler in Frankreich und Deutschland anzumerken. Eigentlich dumm von der Kulturpolitik, denn die Menschen in den Ländern verbindet die Freude an Comics, Zeichenkunst und der Bildsprache, gerade auch als Einstieg in die sprachliche Verständigung und Interessenförderung hin zu anderen Kulturen in ganz Europa ist diese Arbeit stets eine Bereicherung.

Star Wars VIII flopt in China

Das Branchenblatt "The Hollywood Reporter" berichtet, das "Star Wars - Episode VIII: The Last Jedi" den größten Absturz aller Zeiten an der chinesischen Kinokasse hingelegt hat. Beim chinesischen Film-Debut brachte es die neueste Disney-Version von "Star Wars" auf gerade mal 28.7 Millionen US-$ und galt damit für die Disney-Verantwortlichen in China als Enttäuschung.

Aber der Absturz um 92% in den Zuschauerzahlen in der zweiten Spielwoche muss man wohl als katastrophal bezeichnen.

Der Film wird dort voraussichtlich nicht mehr als 50 Millionen US-$ einspielen, womit er dann ein geringeres Einspielergebnis erzielt haben wird als z.B. die SF- Comic-Adaption "Valerian" (62 Millionen US-$ in China).

Für den Disney Konzern wohl inzwischen ein größeres Problem, das die durch sie wiederbelebte "Star Wars" Film Reihe auf dem zweit-größten Kinofilmmarkt der Welt einfach beim Publikum nicht "ankommt". Laut dem "THR" wird die Situation von (Disney-) "Star Wars"- Film zu "Star Wars"-Film immer schlimmer...

"Episode VII: The Force Awakens" kam in China noch auf ein Einspiel von 124 Millionen US-$ (im Jahre 2016); "Rogue One" brachte schon nur noch 69 Millionen US-$. Ein bisheriger absoluter Tiefpunkt und nun "Last Jedi" mit erwarteten 50 Millionen US-$...

Quelle: youtube/hwr.com