Aktuelles aus der Szene 20.10.2017 10:34

Aktuelles aus der Szene

Landet Lazarus jetzt bei Amazon?

Die TV-Rechte an der Science-Fiction-Comicserie „Lazarus“, von der schon mehrere Bände auf Deutsch bei Splitter vorliegen, sind schon länger vergeben, aber viel gehört hat man anschließend nicht mehr davon. Umso überraschender und erfreulicher ist da nun die Meldung, dass Amazon Schwung in die Sache bringt.

Laut Deadline ist „Lazarus“ Teil eines Pakets (zu dem auch Larry Nivens SF-Klassiker „Ringworld“ und Neal Stephensons Cyberspace-Roman „Snow Crash“ gehören), mit dem Amazon versuchen will, das nächste „Game of Thrones“ oder „The Walking Dead“ an den Start zu bringen. Sprich: eine TV-Serie, die über Jahre alles dominiert.

„Lazarus“ wird von Greg Rucka (Autor) und Michael Lark (Zeichner) selbst in Angriff genommen. Rucka schreibt das Buch, außerdem zeichnet er als Executive Producer, gemeinsam mit Lark und Angela Cheng Caplan. Das heißt natürlich alles noch nicht viel. Ob „Lazarus“ dann wirklich realisiert wird, steht erst mal noch in den Sternen. Aber immerhin ist ein Anfang gemacht.

American Flagg! als TV-Serie

Während der französische Filmemacher Luc Besson gerade erst seine Blockbuster-Adaption des frankobelgischen Comic-Klassikers „Valerian & Veronique“ in die Kinos gebracht hat, eckte der amerikanische Comic-Pionier Howard Chaykin kürzlich mit seiner neuesten Panel-Serie „The Divided States of Hysteria“ mächtig an, da er darin das zynische Bild einer von Gewalt, Ignoranz, Hass und Paranoia pervertierten und zerfressenen USA zeichnet.

Besson und Chaykin, das klingt also nach einer ungewöhnlichen, nichtsdestoweniger interessanten kreativen Paarung, und vielleicht trägt sie demnächst genauso interessante Früchte. Denn Monsieur Bessons Produktionsfirma EuropaCorp will aus Mister Chaykins Comic „American Flagg!“ eine TV-Serie machen. In den 80ern halfen Chaykin und „American Flagg!“ dabei, den amerikanischen Comic erwachsen zu machen. Damit inspirierte er u. a. Warren Ellis und Brian Michael Bendis und begeisterte z. B. Michael Chabon und Jim Lee.

In seiner schwer politischen Science-Fiction-Satire über die Zukunft und die Freiheit widmete sich Chaykin – unterstützt von z. B. Steven Grant, J. M. DeMatteis und Alan Moore – dem TV-Star Reuben Flagg, der im Jahr 2031 zu einem Gesetzeshüter wird. Im Kampf um die Reste des amerikanischen Traums mischen unter anderem noch eine schlaue sprechende Katze, Roboter und wunderhübsche Frauen mit.

Klar, dass das Luc Besson gefällt...

Spinning von Tillie Walden

Kann eine autobiografische Panel-Geschichte über das Eiskunstlaufen, die zwischen Coming-of-Age und lesbischem Coming-out verortet ist, begeistern? Sie kann. Jedenfalls wenn sie von der texanischen Autorin und Zeichnerin Tillie Walden stammt.

Ihr im Englischen frisch erschienener Comic-Roman „Spinning“, in dem sie ihre Jugend und ihre Selbstfindung auf und abseits der Eisbahn portraitiert, überzeugt von der ersten bis zur letzten Seite.

Man spürt alle Gefühle und alle Formen von Kälte und Wärme, während Walden mit ihrem unaufgeregten, eher minimalistischen Zeichenstil, ihrem exzellenten Gespür für Tempo sowie ihrem Talent für ruhige Szenen brilliert, zumal sie nie darauf aus ist, sich oder ihrem Leser alle Antworten zu geben.

Schon ihre vorherigen Werke versetzten einen in Staunen, da Walden die großen Dinge ganz gefühlvoll herunter zu brechen vermag und doch stets unheimlich leicht erzählt und illustriert. Etwa das subtile, fantastische „The End of Summer“ oder das ebenfalls autobiografische, für den Eisner Award nominierte und mit dem Ignatz Award ausgezeichnete „I Love this Part“.

Und dann ist da ja noch der umfangreiche Science-Fiction-Webcomic „On A Sunbeam“ über ein Weltrauminternat, Fischraumschiffe und galaktische Bauarbeiter, den Walden mit denselben künstlerischen Tugenden und einer Extraportion Vorstellungskraft innerhalb eines Jahres konsequent vom ersten bis zum zwanzigsten Kapitel durchgezogen hat. Beeindruckend.

Auf ihrer Homepage findet man dagegen zahlreiche Kurzgeschichten.

Der Stil der 1996 geborenen Walden, die seit der High School zeichnet und das Center for Cartoon Studies besuchte, ist modernen unabhängigen Comic-Literaten aus Nordamerika ebenso nahe wie den avantgardistischeren Vertretern unter den japanischen Mangaka; ihre Storys könnten jedoch genauso gut aus dem Umfeld der jüngeren Franko belgischen Künstler-Generation stammen, und letztlich ist das sogar völlig egal – wer bereits in diesem Alter solch außergewöhnliche Bildergeschichten realisiert, braucht kein anderes Etikett als seinen Namen.

Tillie Walden? Eine der Entdeckungen der letzten Jahre.

Und hoffentlich bald auch bei einem deutschen Verlag.

Quelle: comic/tilliewalden.com /deadline.com