2. Weltkrieg - Zwischen Kollaboration und Widerstand Teil 3 26.07.2016 12:39

2. Weltkrieg - Zwischen Kollaboration und Widerstand Teil 3

Französische Comics über die Zeit der deutschen Besatzung während des Zweiten Weltkriegs versuchen entweder Kinobilder oder den realistischen Alltag nachzuzeichnen.

Hier geht es zum 1.ten Teil, 2.ten Teil, 4.ten Teil!

Aber auch die Serie "Airborne 44" möchte ich Euch empfehlen, da es sich um eine wahre Perle handelt und es sich lohnt sie zu entdecken.

„Malgré-nous“ - Zwangsrekrutierte Elsässer

Ebenso wie „Unter dem Hakenkreuz“ geht „Malgré-nous“ den historischen Stoff unter einem speziellen Gesichtspunkt an. Thierry Gloris erzählt vom Schicksal der Elsässer unter der deutschen Besatzung. „Malgré-nous“ bedeutet „gegen unseren Willen“.

Malgré-nous werden die Elsässer genannt, die seit 1942 zwangsweise in die Wehrmacht und die Waffen-SS eingezogen wurden. Als sie heimkehrten, wurden sie als Kollaborateure und Verräter beschimpft und angefeindet. Da die Elsässer deutsche und französische Wurzeln haben, stehen sie zwischen den feindlichen Lagern.

Wenn man nicht weiß, zu welcher Seite man gehört, verlieren die Worte Widerstand und Kollaboration ihren Sinn. Wie Martin Mahner trägt Louis Fisher ständig einen Konflikt mit seinem Vater aus. Während Martins Vater sich begeistert Hitlers Reden am Radio anhört, ist es dem Kriegsveteran im Gegensatz zu seinem Sohn egal, ob er sich zu Deutschland oder Frankreich bekennen soll. Er hat im Ersten Weltkrieg als Soldat des deutschen Kaiserreichs einen Arm verloren und im Zweiten Weltkrieg einen Sohn, der für die französische Armee kämpfte. Der Vater will keine weiteren Opfer mehr. Louis zeigt sich pubertär trotzig als glühender Franzose. Deshalb ist es für ihn ein Schock, dass seine Schwester sich mit einem deutschen Soldaten einlässt. Aber eine grausame Kindheitsgeschichte holt Louis wieder ein, so dass er sich entscheiden muss, ob er in die Wehrmacht eintritt oder seine Familie in ein Lager geschickt wird.

Marie Terray, deren erstes Album „Malgré-nous“ ist, will genauso wie Jean-Michel Beuriot die Geschichte angemessen abbilden. Aus diesem Grund sind die Panels sind in beiden Comicserien sehr unauffällig angeordnet. Ihre Zeichnungen tauchen die Zeit in ein gelb-bräunliches Licht, so dass sie wie alte Fotografien anmuten. Bei den Liebesszenen gleiten sie in roséfarbenen Edelkitsch ab. Die persönliche Geschichte von Louis geht bislang neben den historischen Ereignissen her, statt mit ihnen verquickt zu sein. Die dramaturgischen Wendepunkte haben keine direkte historische Ursache, weshalb die Geschichtslektion recht aufgepfropft daherkommt. Zusammen mit den demonstrativen Posen der Figuren – gerade Louis tut sich da in seinem Pubertätsfuror hervor – versperrt die Dramaturgie den Blick auf die historische Situation der Elsässer eher, als sie nachvollziehbar zu machen.

„Malgré-nous“ Band 1, Hardcover, Farbe, ca. 48 Seiten, Preis: 12,90 Euro

Quelle: comic-check/W. Kesler